Betteln um Schläge

Wenn man zu jener Zeit ein Haus betrat, so erkannte man gleich am duft, ob hier eine Familie des verkommenen Kleinbürgertums wohnte oder eine der übriggebliebenen feinen Familien – und wenn die Dame des Hauses auf sich hielt, wie man so sagte, dann dufteten die Räume wie eine Mischung aus einem Rosengarten und einem orientalischen Freudenhaus – nicht, dass ich eines gekannt hätte: Aber so sagte man eben.
Es ergab sich, dass ich bei Frau H. wegen einer längeren Verhandlung ein- und ausging – und als die Dinge wirklich heikel wurden, musste ich gegen meine Natur etwas härter werden und Frau H. klar machen, dass ihre Situation keine großen Variationen des in Aussicht genommenen Vertrags erlaubte. Am Ende standen wir beide mit hochrotem Gesicht auf, doch bevor ich mich verabschieden konnte, sagte die Hausherrin mit fester Stimme: "wer eine Dame so behandelt wie Sie, junger Mann, der bettelt um Schläge".
Ich bin mir nicht sicher, ob es die aufkommende Entspannung war, oder die Tatsache, dass ich mich eigentlich schon aus der heutigen Verhandlung verabschiedet hatte, jedenfalls sah ich Frau H. plötzlich in einem ganz anderen Licht – die roten Wangen, die blitzenden blaugrünen Augen – und vor allem ihr voluminöser Busen, der sich in einem schönen Rundausschnitt heftig hob und senkte. Etwa zehn Sekunden der Sprachlosigkeit müssen wohl gereicht haben, um mich total zu verwirren. Als sie danach leise sagte: "Los, mein Junge, bitte um Schläge!" da stammelte ich jedenfalls, wie in einer Trance, "ja bitte, geben Sie mir Schläge".
Ich erinnere mich heute nur noch bruchstückhaft an die weiteren Details des Nachmittags, weiß aber noch, dass sie einen kräftigen Rohrstock nutzte, den sie sicher zu führen wusste, und in dessen Gebrauch sie ihre ganze Wut über mich hinein legte.
Als sie sich genügend auf meinem Gesäß ausgetobt hatte und meine Empfindungen so merkwürdig geworden waren, dass ich die Geschäftswelt längst vergessen hatte und ich noch über der Sessellehne lag, auf dem sie die Prozedur vollzogen hatte, sagte sie plötzlich: "Ich paraphiere jetzt den Vertragsentwurf, junger Mann". Wer die Szene gesehen hätte, wäre aus dem Lachen wohl nicht mehr herausgekommen: Mit heruntergezogenen Hosen ging ich zu meiner Aktentasche, zog den Vertragsentwurf hervor und ließ sie schnell unterschreiben. Erst dann zog ich mich wieder korrekt an und verabschiedete mich höflich und formell, während Frau H. nicht das übliche "auf Wiedersehen" sagte, sondern "ich will sie hier nie mehr sehen, junger Mann, haben sie das verstanden?"
Damals war ich froh, den Vertrag unter Dach und Fach bekommen zu haben und ich galt bald als genialer Verhandlungspartner, dem man noch manches schwierige Geschäft anvertraute.
Allerdings: Immer, wenn ich wieder in eine Wohnung komme, in der es wie eine Mischung aus einem Rosengarten und einem orientalischem Freudenhaus riecht, dann sehen ich mich danach, über einer Sessellehne zu liegen und meinen Hintern der schönen Hausherrin zu präsentieren.
Anmerkung: Diese Geschichte im Stil der 1950er Jahre ist reine Fiktion
Géza, willst du es wirklich nicht mal selbst versuchen? Du böser Junge, du?
Deine Isi