Dominant sein – und einen Beruf daraus machen?

Dienstleistungen im Erotikbereich verlieren nach und nach ihre Anrüchigkeit – denn die Klischees von den armen, ausgebeuteten Menschen, die aus Armut und Verzweiflung solche Berufe ergreifen, sind kaum noch haltbar.
Die Leute in der so genannten "guten Gesellschaft" wissen wenig davon. Für sie sind Huren das, was sie davon sehen: Der Autostrich, das bordell, in dem Freier im 15-Minuten-Takt abgefertigt werden – schneller, billiger, feuchter Sex eben. Doch es gibt ganze andere Dienstleistungen, die nicht in einer Viertelstunde erledigt sind, bei der sich die Damen nicht einmal auszieht und bei der Sex kaum eine Rolle spielt: Domina-Studios sind dafür ein Beispiel von vielen.
Was muss eine Domina haben, um ihren Beruf erfolgreich auszuführen? "Persönlichkeit, Einfühlungsvermögen, Lebenserfahrung, Konsequenz und Lust am Spiel", hat Mama Lou mir gesagt – und irgendwie bestätigt das jede Frau im Beruf. "Schon wenn ich hereinkommen, muss meinem Kunden ein Schauer über den Rücken laufen", hat einmal eine bekannte Domina gesagt – und so etwas kann man kaum lernen.
Die besten Voraussetzungen? Veranlagung. Eine Dame aus der Nähe von Stuttgart sagte es vor einiger Zeit im Fernsehen: "Ich hatte schon früh immer irgendwelche Buben um mich herum, die alles für mich getan haben, ohne dass ich ihnen etwas dafür geben musste – außer mein Dasein". Kann man es trotzdem lernen? Mama Lou hat gelächelt, als ich sie gefragt habe und gesagt: "man kann alles spielen, aber nicht alles leben".
Heute wird – wie jeden Tag – ein Mann zum ersten Mal seine Domina treffen. Er wird nackt sein und sie angezogen. Ihre Stimme und ihr Blick werden ihm das Blut in den Adern frieren lassen – und sie wird ihm jede Minute dieser Furcht gönnen, bevor sie ihm den ersten Befehl gibt, auf den er sehnsüchtig wartet.
Kein Beruf wie jeder andere, nicht wahr? Man muss nicht gleich den Beruf ergreifen. Wer Freude an der Dominanz hat, kann dies auch privat ausprobieren – geeignete "Opfer" gibt es in Hülle und Fülle.