Erotische Geschichten: das Spiel mit dem Spiel

Erotische Spiele können vielfältig sein: Man kann mit jemandem in bekannten Rollen zu bekannten Regeln spielen – das muss man schon sehr interessant erzählen, wenn es wirken soll. Sobald aber jemand eine neue Rolle annimmt oder eine Regel bricht, wird das Spiel fast automatisch spannender.

Ein bekanntes, aber dennoch lustvolles und spannendes Spiel ist das Katz-und-Maus-Spiel. Die alte Katze (es kann auch ein Kater sein) lädt die junge Maus oder die Mäusin ein und schnurrt einfach ein bisschen herum. Nach und nach packt die Katzenfigur dann das heimgeschleppte Mäuschen. Das weiß nun nicht, was es davon halten soll und geht erst mal auf Distanz – doch das Katzentier kommt immer wieder und schließlich obsiegen die Verführungskünste – und die Maus sitzt in der Falle. Die Geschichte wirkt heute nicht mehr so gut, wenn der Kater ein älterer Mann und die Maus eine jüngere Frau ist – aber umgekehrt (oder in der lesbischen Liebe) sind solche Geschichten immer noch sehr beliebt.

Das erotische Spiel kennt keine Tugend – eine geheimnisvolle Fremde besucht einen Mann nun schon zum dritten Mal, und die ersten beiden Male kam sie, zog sich im Bad völlig nackt aus und schlief dann mit ihm, um sich nach einer Stunde wieder anzuziehen und zu gehen. Beim dritten Mal klingelt sein Handy: "Du wirst dich jetzt völlig nackt ausziehen und mir so die Tür öffnen". Wird er es tun? Und was wird passieren, wenn er die Tür öffnet?

Die erotische Kunst ist so frei, dass sie vor kaum etwas haltmachen muss: Die junge Frau soll ihre erotische Vergangenheit offenbaren – aber freiwillig wird sie es nicht tun – erst unter der folter wird sie gestehen, welche Lüste sie schon durchlebt hat. Solche Geschichten müssen unbedingt aus der Sicht des Opfers erzählt werden, wenn sie noch "sozial verträglich" sein sollen.

"Der Schmerz hatte mich fast völlig im Griff, sodass ich ihm alles gestanden hätte – ihm, der dort grinsend saß und zusah, wie ich nackt und verletzlich vor ihm an einem Wandhaken hing, ohne Boden unter den Füßen zu haben. Doch plötzlich wurde mir klar: Ich würde ihm mehr gestehen, als ich jemals erlebt hatte – ja, mehr, als er ertragen konnte. Er sollte sich nicht an mir aufgeilen, sondern erschüttert sein. Nein, er würde nicht mich zerbrechen – ich würde ihn zerbrechen, dieses alberne Bürgersöhnchen mit seinen perversen Neigungen".

Kursiv gesetzter Text: strict (c) 2008 by Géza Generös