Fetisch Körper: der Hals

Versetzen wie uns mal in die alte Zeit: Was gab es damals schon vom Körper zu sehen? Mal einen nackten Fuß, vielleicht – die nackten Fesseln einer Dame? Oh, wie leichtsinnig! Wenn Madame etwas zeigen durfte, dann war es der Hals – und vielleicht, zu besonderen Gelegenheiten, noch ein wenig Brustansatz.

So kam der Hals zu der Ehre, der geheimste aller Körperfetische zu sein. Nicht einmal beim Fetischverächter Krafft-Ebing taucht er auf – doch jeder Kinobesucher wusste, was Halsfetischismus war: Da schwebt der Graf dracula als Vampir ins Mansardenzimmer der keuschen Maid – und siehe – dann war es um sie geschehen. Wo eben noch der Hals blütenrein war und man durch seine fast transparente Haut, die blauen Adern sehen konnte, klafft nun die Wunde der Schändung: Der Graf hat dem armen Mädchen die Halsunschuld geraubt und sie so in Schande und Verderben gebracht.

Der Hals – die Dame, die ihn sich küssen ließ, würde auch noch mehr Wonnen gewähren – und so ist der Hals eben mehr als nur der Hals – er ist sozusagen die Gleitbahn des küssenden Mundes zu den Brüsten: Ã-ffnen sich noch ein paar Knöpfchen, so ist auch dieses Ziel erreicht.

Die Generation heute weiß mit dem Grafen und seinem vulgären Halsbiss nichts mehr anzufangen – für sie ist er eben ein Vampir – und Vampire beißen eben in Hälse – jeder tut schließlich, was er tun muss. Damals aber galt der Halsbiss als Ersatzhandlung für die Entjungferung. Die durfte man im Kino nicht zeigen – den Halsbiss aber schon.