Fetisch Körper: der Mund

Es gibt keine Mundfetischisten – oder etwa doch? Ist nicht der Mund einer der Fetische, mit denen wir alles erstes in Berührung kommen? Daumen rein – Lust gestillt?

Na und dann – die Küsse? Das erste Mal? Ja, wie viel "erste Male" gab es denn da? Die erste Zunge, die durch die noch halb verschlossenen Lippen ihren Weg durch die Zahnsperre suchte? Die erste wirkliche Inbrunst, als sich die Zungen trafen und uns ganz warm wurde, weil die Hormone plötzlich hervorschossen, als hätten sie jahrelang darauf gewartet?

Nein, immer noch nicht, was ihr denkt – der erste fremde Finger, der in den Mund durfte? Sein Finger? Das Ablecken und Ablutschen? Hast du ihn sehnlich angesehen, als das geschah? Hast du in diesen Blick nur ein Wort gelegt: "Nimm mich"? Oder hattest du, mann, einen weiblichen Finger im Mund, der dir dort sanft über die Zunge strich?

Ach, ich will gar nicht davon schreiben, was Lippen, Mundhöhle und Zunge mit einem Penis tun können – das wisst ihr ja alles ganz genau, oder nicht?

Bleibt noch zu sagen: Wie oft habt ihr einen Mund verschlossen, um die Lustschreie nicht bis ans Ohr der Zimmerwirtin, Mutter oder Tochter dringen zu lassen?

Der Mund, ach, der arme Mund. Nie hat ihm wenigstens ein kleines, unbedeutendes Professorlein den Status eines Fetischobjekts gegeben.