Nachts, wenn die Brüste hervorkommen

Die Nachtzeit ist die Nacktzeit: Überall quellen sie nun aus dem Fernseher hervor, die nackten Brüste. Publikumswirksam angeboten werden sie, vorgezeigt wie Früchte: seht mal, ich hab da etwas, das ich euch gerne zeige würde – wenn ihr mich anruft.
Da liegen sie – gelangweilt auf ihren Kanapees, manchmal noch angezogen, manchmal auch in der Unterwäsche – und wenn sie gerade einen Kunden haben, dann auch mal ganz ohne Kleider: "Ja ich bin schon ganz heiß", "ja, ich will es", "ja, so ist es gut". "Was willst du – meinen Po sehen?" Da wird die Kamera neu ausgerichtet, und der Po wird so hingedreht, dass man ihn sieht, während die flinke Hand die Stelle bearbeitet, von denen der Kunde gerade glaubt, dass sie ihm gehören.
Der eine Sender bietet dies – der andere jenes. Wer Fußerotik liebt, wird bei einem deutschsprachigen Sender schnell fündig – da hat es die Dame dann auch leicht – schließlich braucht sie nicht viel mehr als high heels und schick aufgemachte Zehen der Herr am anderen Ende wird seine Freude haben, wenn sie die Sohle zeigt – na, mein Herr? Ablecken gefällig?
Derweil hat es sich die stark geschminkte, alternde Dame aus Italien schon wieder auf dem Präsentiersofa bequem gemacht. "Pronto?" Nein, irgendwie traut sich niemand, sie anzurufen, während der französische Kanal jetzt je eine Dame auf beiden Kanälen im Einsatz hat: eine dunkelhaarige und eine Blonde. Die Dunkelhaarige spielt gerade ein bisschen mit ihren Brüsten und lockt französische Kunden, während die Blonde sich gerade wieder anzieht für die nächste Sitzung – es ist immer besser, man hat noch etwas auszuziehen, wenn der nächste Kunde anruft. Derweil hört man von einer Kollegin im Hintergrund, die im Online-Chat mit dem gleichen Spiel beschäftigt ist, den Ton- in Deutsch: "Ja, mach es mir, ja, ja". Eigentlich sollte das nicht passieren – aber wie es im Leben so ist – da war wohl gerade das band zu Ende, das sonst die Stöhnfetzen übertönt.