Pornografie für Frauen – aber selbstverständlich

Wenn über etwas reden will, wovon man nichts versteht, eignet sich ein Buch immer gut – na, und jetzt sprechen alle von "Pornografie für Frauen" – zum Beispiel so, als ob das Thema eben erst geboren wurde.
Pornografie für Frauen? Man nehme: Eine etwa schwüle Welt, vielleicht dort, wo der Stadtrand schon den Dschungel küsst, eine betont sinnliche, mädchenhafte Frau, die sowohl die Fantasie der Männer wie auch die der Frauen beflügelt und ein paar Begegnungen, in denen eben diese Frau wie durch Zufall mal in diesem Hotel, mal in jener Hütte vor Lust röchelt – manchmal, weil ihr ein Mann das schenkt, was Männer für ihr Bestes halten – und mal, weil ihre salzige Haut von einer Frauenzunge durchfurchtet wird.
Gibt es das nicht alles schon seit langer Zeit? Haben wir es nur vergessen? Engländerinnen schreiben seit Jahren eine Art Internatsliteratur, bei der betont junge Frauen einander abwechselnd Liebe und Hiebe geben. Die Käufer? Frauen. Diese Bücher sind erotisch, frivol und über alle Maßen mit sexuellen Sonderlichkeiten aller Art durchsetzt – und sie werden von Frauen förmlich verschlungen.
Wie war das in den 70er Jahren, als man Pornografie noch schwarz aus Dänemark importieren wurde? Die Damen sahen noch nicht aus wie Models, hatten die Haare noch dort, wo sie hingehörten und wurden von Herren beschält, die wie ganz normale Studenten aussahen – wahrscheinlich waren sie auch welche. Damals sagte jede Frau "igitt", wenn sie per Zufall darauf stieß – allerdings nur, um sich später noch einmal in die bibliothek zu schleichen und das Heftchen in die Handtasche zu stopfen.