Schneewittchen - das erotische Objekt

Kaum ein deutsches Märchen enthält so viel erotischen Zündstoff wie Schneewittchen. Der Konflikt zwischen (Stief-)Mutter und Tochter um den erotischen Reiz ist der erste Punkt, der die Fantasie antreibt. Dann ist da die Moral des Jägers: egal, was ich jetzt tun werde, das Schneewittchen wird sowieso den wilden Tieren des Waldes zum Opfer fallen. Wer so denkt und allein mit der schönsten Frau des Königreichs (so jedenfalls die Antwort des Zauberspiegels) im Wald ist – da beginnen doch die Gehirnwindungen zu ticken, oder nicht?

Nun – und dann die "Zwerge" – sind sie ehrliche Bergleute oder Goldräuber? Jedenfalls beschützen sie das naive Schneewittchen vor der abermals erotisch daherkommenden bösen Stiefmutter. Beschützen sie es nur, oder sperren sie es weg, damit nicht ruchbar wird, dass sich sieben alte Männer eine blutjunge Haushälterin leisten? Und ist sie "nur" eine Haushälterin? Die Zwerge waren keine Kinder, sondern schwer schuftende ältere Männer von kleinem Wuchs – und sie waren einsam.

Schließlich verfällt die Prinzessin in einen todesähnlichen Schlaf – und wird so zum Objekt der Begierde eines jungen Prinzen. Erst, als seine Diener stolpern, bekommt das merkwürdige Machwerk der Grimmschen Brüder dann seine kitschigen Schluss: Das Schneewittchen heiratet den Königssohn, Jäger, Zwerge und auch der Vater sind vergessen, und die Stiefmutter wird nun unter dem Gelächter sadistischer Hofschranzen zu Tode gequält.

Künstler und Pornografen aller Zeiten haben sich mit dem Phänomen des Schneewittchens auseinandergesetzt. Gerade erst hat die Künstlerin Judy Fox der Sache einen neuen Aspekt gegeben: ein nacktes, aber dominantes Schneewittchen und ebenso lüsterne wie unterwürfige Zwerge als "sieben Sünden" verkleidet..

Alle Bilder: © Judy Fox