Weihnachten - der Duft, die Kerzen und die frische Rute

Weihnachten – der Raum ist geschmückt mit einem echten Tannenbaum, und es duftet so gut – vielleicht nicht nach Äpfeln und Nüssen, aber nach Moschus, Patchouli und Sandelholz. Die echten Wachskerzen malen flackernde Schatten auf die Wände und du beginnst zu träumen – was, wenn du diese Kerze dort herunternehmen würdest und das Wachs auf deinen Finger tropfen lassen würdest? In die freie Handfläche? Nein, du würdest weitergehen, nicht wahr? Würdest du deine Bluse ausziehen, den wundeschönen neuen BH noch einmal im Spiegel bewundern, den du dir gekauft hast, um schön zu sein, schön für ihn, auf den du wartest? Du denkst jetzt an die Kerze, nicht wahr? An das Wachs, an heiße Tropfen auf deiner zarten Haut?

Er weiß noch nicht, was du heute von ihm willst. Er denkt, es ist einfach Weihnachten – ein schönes Essen bei dir, ein Glas Wein – und dann wirst du dich ihm schenken – denkt er.

Deine Gedanken schweifen ab – die langen Vorbereitungen – er wird die neue, wunderbar rot gepolsterte Bank finden, die frisch gebundene Rute, die schon parat liegt – und du? Du siehst dich unter dem Weihnachtsbaum stehen. Ein gedicht aufsagen. Der Weihnachtsmann wird aufmerksam zuhören – und du siehst, wie sich sein Gesicht verfinstert. Er hat ja sowieso schon so viel in seinem Buch stehen – du warst ein böses Mädchen, nicht wahr?

Ach – dieses Warten. Aber diesmal wird einmal richtig Weihnachten sein – so, wie du es dir in deinen Träumen immer gewünscht hast.